Eine Landung auf dem Oktoberfest – mit allen fünf Sinnen
Neulich, bei offener Balkontür, wehte von der Wiesn plötzlich eine Welle Zuckerwatte in mein Wohnzimmer. Sie war süß, warm, als stünde die Bude direkt vor meiner Tür. Ausgerechnet zu mir, deren Nase sonst eher bescheidene Dienste erweist.
Ich musste lachen. Und dann fing ich an zu träumen.
Es war einmal an einem Abend auf der Wiesn …
Sehen
Ich sah es schon von weitem. Ein kleines Licht über dem Riesenrad, das nicht blinkte wie die anderen, sondern ruhig und silbern kreiste. Es wurde größer, runder, glänzender, bis ein Ufo sanft zwischen Karussell und Bierzelt aufsetzte. Eine Treppe klappte aus, und heraus stieg ein kleines grünes Wesen mit Armen, so lang, dass seine Hände fast den Boden streiften, und einer Nase wie eine Kartoffel. Es blieb stehen und schaute. Auf die Dirndl und Lederhosen, auf die Lebkuchenherzen, die um so viele Hälse baumelten, auf die bunten Lichter, die sich in seinen großen Augen spiegelten.
Hören
Noch bevor ich es sah, hatte ich es gehört: ein tiefes Summen, ganz anders als die Blasmusik. Dann das Quietschen der Luke, ein langgezogenes Iiiieeek. Die Füße des Wesens auf der Eisentreppe machten Plong, plong, plong, erstaunlich leicht für jemanden mit so langen Armen. Und während es hinabstieg, summte es ein Lied, das klang wie ein Glockenspiel aus einer anderen Galaxie. Um uns herum johlte die Achterbahn, klirrten die Maßkrüge, und irgendwo sang ein ganzes Zelt „Ein Prosit der Gemütlichkeit“.
Riechen
Das Wesen hob seine Kartoffelnase und schnupperte. Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, Hendl vom Grill. Bier, das auf Holztische geschwappt war. Und ein Hauch von warmem Metall, der aus dem Ufo strömte. Es schnupperte weiter und schloss die Augen, als wollte es sich jeden einzelnen Duft für die Heimreise merken. In Wahrheit waren nicht alle Düfte angenehm. Es sortierte innerlich die schönen Düfte für sich heraus.

Schmecken
Ein Kind hielt ihm seine Zuckerwatte hin. Das Wesen zupfte vorsichtig ein Stück ab, legte es auf die Zunge, und seine Augen wurden noch größer. Süß, klebrig, weg. Es lachte, ein helles, blubberndes außerirdisches Lachen, und probierte gleich noch ein Stück. Ich stand daneben und schmeckte plötzlich das Salz meiner Brezn intensiver als je zuvor.
Fühlen
Ich spürte den Windhauch, den das Ufo beim Landen aufgewirbelt hatte, kühl auf meiner Haut. Menschen drängten sich an mir vorbei, jemand schubste mich sanft zur Seite. Meine Füße standen fest auf dem staubigen Boden, und gleichzeitig fühlte sich mein ganzer Körper leicht an, als würde er dem silbernen Licht entgegenschweben. Das Wesen drehte sich um, winkte mir mit seiner langen grünen Hand zu, stieg die Treppe hinauf, plong, plong, plong, und war fort.
Zurück blieb ein Duft von Zuckerwatte.
Und du?
Wir laufen oft durch unsere Tage, als hätten wir nur Augen und Gedanken. Dabei sind wir alle ausgestattet mit mindestens diesen fünf Grundsinnen, die uns jeden Moment etwas erzählen wollen. Natürlich haben wir noch den Gleichgewichts-Sinn, den Temperatur-Sinn und viele andere, aber ob wir mit einem kleinen grünen Wesen und dessen Sinne mithalten können, wage ich zu bezweifeln.
Probiere es heute einmal aus, egal wo du gerade bist. Nimm dir eine Minute und frage dich:
• Was sehe ich gerade, das mir vorher nicht aufgefallen ist?
• Was höre ich, ganz leise im Hintergrund?
• Was rieche ich und woran erinnert es mich?
• Was schmecke ich noch auf der Zunge?
• Was spüre ich auf meiner Haut, unter meinen Füßen?
Eine einzige Minute reicht, und du bist ganz da. Im Hier und Jetzt, so staunend wie ein Besuch aus einer anderen Galaxie. Und deine Bewusstheit wächst.
Welcher Sinn hat dich heute überrascht?
Hinweis: KI hat bei der Vorbereitung dieses Textes mitgewirkt.
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